Was kostet das Europäische Haus wirklich?

Bei jeder Neuanschaffung, ob in der Familie, in einer Firma oder wie hier bei der Stadt, muss die Frage beantwortet werden: “Können wir uns das leisten?” Vor allem, wenn ich nicht das eigene Geld, sondern das Geld der Steuerbürger ausgebe, ist es geradezu meine Pflicht, besonders genau hinzuschauen. Das habe ich getan und deshalb behaupte ich, die von der Stadt geschätzten Zahlen stimmen nicht. Die Einnahmen sind zu hoch und die Ausgaben sind zu niedrig gerechnet.

Schon die Ankündigung von OB Zankl auf 70 %-Zuschussgelder vom Freistaat ist unredlich, denn zum ersten gibt es dafür keinerlei zuverlässige Aussagen und zum zweiten muss davon ausgegangen werden, dass keinesfalls die Gesamtkosten von 27,8 Mio € gefördert werden. Da fehlen ganz schnell einige Millionen und von den in Aussicht gestellten Sponsoren ist weit und breit nichts zu sehen. Zwischenfinanzierungskosten während der Bauphase sind übrigens nirgends eingerechnet.

Weitaus schwerer wiegen allerdings die jährlich anfallenden Betriebskosten. So sind z.B. in den von der Stadt geschätzten Einnahmen von 1.022.200 € insgesamt 58 Konzerte mit 885.720 € enthalten. Dazu sollen noch 12 Konzerte der Europäischen Wochen und einige konzertante Operetten und Opern kommen. Im Ergebnis würde das bedeuten, dass alle 14 Tage drei klassische Konzerte stattfinden, von denen jedes dritte Konzert mit 800 Besuchern und durchschnitlich 40 € pro Karte ausverkauft sein müsste. Dass diese Planzahlen sich außerhalb jeglicher Realität befinden, liegt auf der Hand.

Die von der Stadt angegebenen laufenden Ausgaben beinhalten keine ausreichenden Rücklagen für Reparaturen- und Instandhaltungen (0,8 % – 1,2 % der Bausumme). Die Honorarkosten für das eigene Orchester ( ca.100 € pro Konzert einschließlich der Proben), sowie die bisherige Nichtberücksichtigung von zugesagten Gastspielreisen erfordern einen weit höheren Ausgabeansatz. Ebenfalls wurde bisher bei den Kapitalkosten für Zins und Tilgung nur ein Betrag von 5,8 % angenommen, der sich erfahrungsgemäß dauerhaft auf durchschnittlich eher 7,8 % belaufen wird.

Zusammenfassung
bisher veranschlagtes Betriebsdefizit 185.000 €
Zins/Tilgung (ohne Grundstück) 265.000 €
450.000 €
Reparatur- Instandhaltungsrücklage 200.000 €
Zinssteigerung 2 % 90.000 €
Mehrausgaben Honorare 100.000 €
Mindereinnahmen 200.000 €
Allgemeine Ausgaben 60.000 €
realistisches Defizit pro Jahr 1.100.000 €

Eine positive Stadtentwicklung ist nur auf der Grundlage von geordneten Finanzen möglich. Erst wenn die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Passau nur noch die Hälfte der täglichen Zinsen in Höhe von 23.000 € zahlen müssen, sollten wir wieder daran denken ein Prestigeobjekt wie das Europäische Haus zu bauen.

Karl Synek



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